Ziehe deine Maske ab und erkenne dich selbst, im TheaterLabor

Wenn ich erzähle, dass ich freitags in das TheaterLabor gehe, fragen mich die Meisten, was ich denn da so genau mache und was das bedeutet. Es kommt auch immer die Frage, warum ich es mache. Ich fange dann meistens so an zu erzählen: Der Kurs heißt „Präsenz in der Arbeit mit Menschen. Slow Acting.“ Doch so richtig darunter etwas vorstellen können sich die wenigsten. Also fange ich an eine Kursstunde wiederzugeben und erzähle oft von Anfang an:

Tiefgehende Begleitkommentare

Als ich in den Raum der Präsenz trat, war ich sofort Teil des Ganzen, als ob ich schon seit Jahren dazugehörte. Ich musste mich nicht mit den üblichen Floskeln vorstellen, sondern durfte im Geschehen einfach mitmachen. Nach der Stille, den Atemübungen und dem Tönen mit Gebärden und den, für mich wunderbaren und tiefgehenden Begleitkommentaren und Erklärungen unseres Leiters Wolfgang Keuter, legten wir uns ausgestreckt auf den Boden. Bis hierhin war noch alles relativ normal für mich, obwohl ich Tönen mit Gebärden bisher nicht kannte.

Nach der kurzen Entspannung am Boden sollten wir wieder aufstehen. Jedoch nicht einfach nur aufstehen. Wir sollten aufstehen, als ob wir es das erste Mal in unserem Leben tun würden und fünf Minuten dafür nutzen und dies mit geschlossenen Augen und den Kopf immer entspannt hängen lassen, bis er sich zum Schluss wie eine Krone aufrichtet.

Das waren meine erste Übung und meine erste wirkliche Begegnung mit dem TheaterLabor und sie ist mir bis heute noch völlig präsent. Tausend Gedanken gingen mir dabei durch den Kopf: Wie steht man das erste Mal auf und was machen wohl die Anderen dabei? Fünf Minuten, was soll ich in der Zeit alles machen, wie sehe ich wohl dabei aus und hoffentlich lacht keiner über mich…

Ja, die Entdeckung der Langsamkeit, die hat es in sich. Und dabei das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung finden. Es war eigentlich eine simple Aufgabe, die jedoch alle meine Sinne auf sehr erfreuliche Weise angeregt hatte und ich hatte noch ca. 1 Std. vor mir. Wie ein kleines aufgeregtes Kind stand ich irgendwann und fand die Übung einfach nur witzig, denn so hatte ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.

Eine weitere Übung wurde erklärt, wir durften mit einem Partner zusammen den Begriff „festhalten“ mit den Händen ausdrücken. Abwechselnd, erst der Eine, dann der Andere. Danach kam der Begriff „loslassen“ hinzu, wieder nur mit den Händen. Als dies fantasievoll zelebriert wurde fingen wir an die Begriffe zu tanzen, erst der Tanz „festhalten“, der in den Begriff „loslassen“ fließend überging. Oft denke ich am Anfang einer Übung; wie soll ich das angehen und ich bin jedes Mal über meine Kreativität völlig überrascht. Das gelingt mir jedoch hauptsächlich im Umgang mit meinem Partnern und in der Präsenz darin. In meinem Alltag gelingt es mir noch nicht so gut.

Manchmal frage ich mich während der Erklärung einer Übung, was soll das werden oder wenn ich mittendrin bin, wozu mache ich das? Weil manches herrlich absurd ist!

Wir waren auch mal Tiere und liefen, krochen oder hüpften mit unseren entsprechenden Tierlauten im Raum umher. Ich war fast eine Woche lang in meinem Alltag die Katze, die ich im TheaterLabor spielte. Es machte mir unglaublichen Spaß und ich wollte diese Rolle nicht so einfach wieder ablegen.

Was ich sehr gerne mag ist in Rollen zu schlüpfen und eine kleine Theateraufführung zu zeigen. Das sind Momente, in denen ich mich neu kennenlerne, wo ich hinterher sehr stolz auf mich bin, weil ich mich getraut habe einen Satz von, z.B. Parsival auf meine Art und Weise auszudrücken. Wenn ich dann hinterher einen gebührenden Applaus meiner netten Kollegen bekomme, bin ich ein ganz schönes Stück gewachsen. Den meisten Stolz empfinde ich jedoch, wenn Wolfgang meine geleisteten Fähigkeiten, die mir oft selbst nicht bewusst sind, erklärt.

Das TheaterLabor ist für mich genau die richtige Wortwahl, denn wir experimentieren jeden Freitag von 9:30 – 11:45 Uhr herum und das mit großer Freude und Neugierde. Sei es mit Tönen und Singen, sei es mit freiem improvisierten Tanz und Gelenktanz, mit kleinen schauspielerischen Aufführungen, mit Geh-Meditationen, mit Atemübungen, mit Malen mit Kreide, mit interaktiven Ausführungen und mittendrin eine kleine zeremonielle Tee-Pause.

Sich wie Pippi Langstrumpf fühlen

Wir sind eine kleine verrückte und liebevolle Gruppe, die im Umgang miteinander sehr präsent und rücksichtsvoll ist. Wir sind nicht nur ein bunter Strauß, sondern ein vielseitiger; wir profitieren alle voneinander und sind für neue Partner sehr offen.

Wolfgang Keuter, Schauspiel, Zen, Coach und Psychodramatiker hat für mich ein unglaubliches Talent alle Gruppenmitglieder in eine Einheit zu bringen, ohne, dass man sich dabei verliert und ohne, dass es klar festgelegt wird. Schon auf dem Weg nach Hause denke ich über viele seiner Worte und unseren Übungen nach und packe sie in mein Herzensfach hinein. In diesen Momenten kann mich ein Stau nicht mehr erschüttern, ich genieße den Moment, egal wie er ist.

Jeden Freitag komme ich mit enormer Energie und Lebensfreude aus dem Kurs heraus, wie ein kleines Kind, das Dinge gemeistert hat, die es sich nicht zugetraut hätte. Ich fühle mich Stück für Stück befreiter von meinen Ketten die mich in meiner Freiheit lähmten. Gesprächstherapie ist das Eine, sich jedoch mit dem ganzen Körper, mit Mimik und Stimme ausdrücken, dies zeigt Wirkung und Heilung.

Albernheit und Verrücktheit und nicht immer nur Haltung bewahren, dies wollte ich in meinem Alltag wieder spüren. Ein Stück sich wie Pippi Langstrumpf fühlen, das erlebe ich an diesen Freitagen. Ich kann es nur jedem empfehlen und Ängste, so wie ich sie hatte, dies eben nicht zu schaffen, die braucht man bei uns nun wirklich nicht zu haben.

Was für mich noch wichtig ist; immer ein Parkplatz an Ort und Stelle und in Düsseldorf sowieso. Das hat das TheaterLabor schon mal zu bieten mit einem kostenlosen Parkplatz direkt am Ort des Geschehens.

„Ob man das Leben lachend oder weinend verbringt, es ist dieselbe Zeitspanne.“
Aus dem Zen-Buddhismus

 

Ein Kommentar

  1. Wolfgang Keuter

    Ja, hallo liebe Susanne, das ganz bewusste Langsam-Sein hat es tatsächlich – sehr in sich. Es ist die Keimzelle meines schöpferischen Lebens. Das andere Leben hat mich nie interessiert, das von der äußeren Zeit bestimmt wird und vom Machen und Wollen.
    In der Langsamkeit finden wir zur inneren, seelischen Zeit. Und hier lassen sich die Gegensätze (fast) spielend überwinden und du beschreibst es anschaulich. Ich freue mich über deinen Blogbeitrag. Ich grüße dich mit einer Formulierung von Graf Dürckheim:
    Wo immer der Mensch sich in einer Form seines Gewordenseins festsetzt und verschanzt, da widerspricht er dem in seinem Wesen verkörperten Gesetz des reifenden Lebens.

    Mein Eindruck ist, das du das erkannt hast und mit Herz und Seele dabei bist, das aus dem Weg zu räumen was dich auf deinem Weg zur Individuation blockiert.
    Hab also Dank für deinen Beitrag, für den kostbaren Rotwein, ich habe mir seinen Genuß noch aufgespart, auch für die Räucherstäbchen die mich bei der Abendmeditation begleiten.
    Bis bald und mit Gruß. Wolfgang.

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