Slow Acting im Ensemble des TheaterLabor TraumGesicht

Das Lustspiel: Leonce und Lena

Was für ein wunderbares Stück, das wir zur Zeit proben. Es ist wohl das allererste absurde Theaterstück in der deutschen Theatergeschichte. Wir, im TheaterLabor Traumgesicht, lieben das absurde Theater. Mit absurden Mitteln setzen wir der wachsenden Absurdität Kreativität entgegen und integrieren das Absurde, auf schöpferische Weise, mit den Mitteln unseres ritualisierten Theaterspielens.

Sinnliches Lust-Spiel erlebt Leonce erst durch die Begegnung mit Rosetta, seine Geliebte und Kokotte. Sie nennt ihn irgendwann verwzeifelt Narr und befreit ihn durch diese Bezeichnung. Sie hat Leonce in seinem tiefen Wesen erkannt. Sollten wir nicht alle Narren werden?

Bis zu dieser Szene erfahren wir Leonce’s Müßiggang, Langeweile,tief gegründete Melancholie.   Diese Befindlichkeiten genießt Leonce durchaus und leidet darunter. Das ist kein Widerspruch.   Wer kann Nichts-Tun mit Hingabe und Genuß leben? Er will nichts anderes. Doch wünscht er sich  eines Tages auf den eigenen Kopf schauen zu können. Er braucht dazu keinen Therapeuten, hat er doch den Narren, ebenfalls Müßiggänger, als Weggefährten stets neben und hinter sich.

Spiel-Arbeit ein Widerspruch?

Die Sprache ist wundervoll. Ich erlebe Verehrung für Büchner.
Pointierte Ironie, ätzende Kommentare, viel Abwertendes, Unverschämtes, Verletzendes, Negatives, mit närrisch-weiser Klugheit und Esprit formuliert.

Alle diese Qualitäten sollten von den Spielern gestaltet hervorgebracht werden. Eine  Quadratur des Kreises ? Mit diesem Ensemble ist solche Kunstfertigkeit möglich. Denn die Chance, das Unmögliche möglich werdenzu  lassen auf unserer Studio-Bühne enthält unsere Spiel-Arbeit  von Anfang an. Die Probebühne dient diesem Geschehen als erster Ort der Wandlung.

Spiel-Arbeit ein Widerspruch?
Nein. Ohne Arbeit gibt es kein Spiel, ohne Spiel sollte keine Arbeit sein. Dann können wir SEIN. 

Der Umgang mit der Integration von Gegensätzen durch Verkörperung, ist in unserem TheaterLabor, zum Kommenlassen des TraumGesichtes, tägliches Handwerk:
Ritual und Leidenschaft, Archetyp und Mensch, Person und Rolle, Männliches und Weibliches … lassen Spiel und Leben gelingen. Die Erfahrungs- und Gestaltungsbedingungen dazu sind nicht  geeignet für Jedermann / Jedefrau.
Zugegeben!
Es sind initiatische Bedingungen. Wer die rauhe Tiefe zu schätzen weiß, das Metaphysische und die Magie in Spiel, Ritual und Seelen-Heilkunde, wer sich überschreiten möchte  weiß solche Bedingen zu schätzen.

Teil des Ensembles zu Sein, meint sich in einer Gemeinschaft engagierter Amateure persönlich zu transzendieren. Vor allem durch kontemplative Konzentration und u. a. die Methoden Verfremdung, ritualisierte Spontaneität, Leibkörper-Wahrnehmung, Atem – Stimme, Mimik, Gebärden und die Zug um Zug Begegnungen . Mit ihrer Hilfe gestaltet sich eine Bühnenfigur langsam vom Selbst.

Übrigens ist die etymologische Wurzel von Methode und Technik  u.a.: WEG. Ind diesem Sinn verwende ich diese Begriffe. Ich begreife sie von ihrem Ursprung her und bleibe darauf bezogen.

Warum wir uns TheaterLabor nennen?

Weil die Verwandlung in verfremdenden, überpersönlichen Ausdruck auf der Bühne,  die private Person entwichtigend, für mich verwandt ist mit dem alchemistischen Vorgang der Goldgewinnung. Gold ist das eigene, tiefe und individuelle Wesen. Seine Gewinnung geschieht im Opus der individuellen Menschwerdung. So ganz nebenbei: Jede Übung, jedes Ritual, eigentlich jede Szene die erlebt verkörpert wird aktiviert körpereigene Drogen.

Und warum TraumGesicht?

Das Traumgesicht kommt hervor aus der inneren Traumzeit wo unser eigentliches Wesen zu Hause ist. Im japanischen Theater wird der Moment Yûgen genannt wo das wahre Gesicht anschaulich wird und das Vollkommene im Unvollkommenen erscheint.

Epiphanie – nur wenige Sekunden lang.
Sie wird geschenkt.
In Übung, Spiel, Freude und ritualisierter Spielweise.
Als Gnade.
Machen und Erzwingen lässt sie sich nicht.

Im Ensemble Sein meint, in Gemeinschaft auf das eigene Selbst und auf das Selbst der Gemeinschaft zu zu gehen, und sich ihm öffnen. Es sollte, mit den Mitteln meiner Methode Slow Acting, in der Außenwelt, im ritualisierten Theaterspielen sichtbare Gestalt werden. Das Medium dazu sind die überpersönliche Rolle und unser physisch-psychischer Organismus. Sie sind die Matrix auf der wir uns ein wenig verwandelt und mit neuer Substanz erfüllt, wieder zurück gewinnen. Und, das was wir gestalten verwandelt uns mit.

Oh ja!

Es gilt bei diesem Geschehen viel aufzugeben im Schauspiel als WEG: die privatpersönlichen Grenzen, die Alltagsmasken, Lebenslügen und Illusionen, Verhaltensweisen und Fehlhaltungen die unsere personale Entwicklung verhindern, auch manche Ängste, Schutzhaltungen … Das impliziert, dass wir eine Menge gewinnen: Uns als Ich-Selbst im schöpferischen Prozess des Erlebens und Gestaltens.

Wir gehen in diese Art und Weise des Schauspiels nicht (nur) um den Zuschauern zu gefallen. Denn alles was wir tun und nicht tun auf der Probebühne, das tun wir um uns zu vervollkommnen. In absichtslosen Absicht erleben wir bald, das jede szenische Übung, in vollem Gegenwärtig-Sein erlebt, eine Fülle an Freundschaft und Eros bereit hält.

Meine Methode Slow Acting macht solche Erfahrungen – als schöpferische Lebensgestaltung -, auch im privaten und beruflichen Umfeld, möglich.

Als ritualisiertes Schauspiel, mit den wundersamen Schminkmasken von Gianni wird es zu einem nachhaltigen Bühnenerlebnis. Hast du Lust bekommen auf Spiel, Übung und Ritual im TheaterLabor TraumGesicht? Dann komm dazu!

Also, bis dann!

Mit Gruß, toi toi toi auf dem Weg des Werdens.
Wolfgang

P.S.: Ich freue mich auf Rückmeldungen und Fragen.

2 Gedanken zu “Slow Acting im Ensemble des TheaterLabor TraumGesicht

  1. Und aus all diesen Gründen, lieber Wolfgang, bin ich froh, Schülerin des TheaterLabors TraumGesicht zu sein. Es bringt mir immer wieder große Freude und ich merke, dass ich auch privaten Bereich davon profitiere.
    Leonce und Lena ist ein wunderbares Stück, dass mich wirklich fasziniert. Selbst jetzt in Göppingen habe ich auf einmal einfach so, in der Küche meines Sohnes, etwas aus Leonce und Lena gesagt. Irgendwie kam das Thema auf’s Denken und ich fing dann an, „der Mensch muss denken“. Das war schon toll.
    Herzlichst
    Gabriela

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    • Ja, so ist es liebe Gabriela, der Mensch muss denken, auch als Figur, auf der Bühne. Erst die denkende Figur kommt an. Nicht die nur empfindende oder emotionale. Die denkende Figur auf der Bühne wird zum Mensch auf der Bühne. Wenn wir das drin haben in unserem Körperbewusstsein können wir sagen: Auf der Bühne sind wir Mensch! Danke für deine Rückmeldung – und bis bald. Wolfgang.

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