Das kultische Singen

Heute möchte ich wieder an Übungen erinnern die dem Alltag Glanz geben, SelbstErfahrung, Einsicht und Wandlung.

Der Laut läutert

Um was geht es mir? Ich möchte Einblick geben und erinnern an die von mir entwickelte Methode, sie liegt mir am Herzen, Slow Acting. Diesmal erzähle ich von einer ganz besonderen Weise des Singens, im präsenten Umgang mit dem Atem und der Stimme.

Wenn durch vorherigen Vokalgesang die Vokale von Obertönen gesättigt und frei klingen, sollten Konsonanten integriert werden. So wird aus dem Vokalgesang der Kultgesang. In ihm kann das Singen seine, die Seele befreiende und unser Gemüt wandelnde, Wirkung ganz entfalten. Jeder findet für sich selbst, in geschehen lassender, zulassender Weise zu eigenen Vokal- und Konsonantenverbindungen. Allmählich finden sie sich ganz von Selbst ein. Der kultische Gesang erinnert an die Gesänge früherer Schamanen. Ihre Lieder waren ohne Worte. Er wirkt tief ein weil er verwandelnde Kraft mitbringt. Der kultische Gesang meint:

  • Zulassen von Vokalen, Konsonanten und Variationen. Sie sollten getragen und durchtränkt sein vom Atem der aus der Mitte kommt und zur Mitte geht. Ich nenne das kultische Singen auch  Gesang aus dem Ursprung. Durch ihn finden wir zu Erfahrungen und Befindlichkeiten die im Alltag sonst nur selten erreicht werden.

Der kultische Gesang kann mit Emotionen und Stimmungen erfüllt werden. Sie sollten mit der jeweiligen persönlichen, inneren und äußeren Lebenssituation verbunden sein: Zum Beispiel:

  • Mit Dankbarkeit. Trauer. Freude. Glück. Andacht. Hoffnung. Erinnerung… Oft sind diese Befindlichkeiten schon da oder sie ergeben sich während des kultischen Singens. In den Übungsgruppen einigen wir uns auch auf ein gemeinsames Thema, das darf übergehen in individuelle Themen. Wir experimentieren manchmal damit, das kultische Singen auf einen Punkt hin zu bündeln. Zum Beispiel zu Situationen in der Vergangenheit und Gegenwart die traumatische Erinnerungen enthalten oder solche in denen wir uns Anderen gegenüber ungerecht, verletzend, abfällig verhalten haben. Ich gehe davon aus, dass wir durch dieses kultisch-symbolische Handeln heilend einwirken können. Dieses Phänomen habe ich persönlich oft erfahren. Es ist mir auch von Klienten / Schülern immer wieder berichtet worden. Meine Übungen mit Kultgesang gehen auch zu Situationen die zukünftig stattfinden könnten. So manche ist durch den, in die Zukunft gerichteten, Kultgesang positiver verlaufen. Das aktive Imaginieren unterstützt dieses Tun.

Heftige, mitunter hochdynamische Emotionen, feine Befindlichkeiten, leise Geahntes wird sinnlich-übersinnlich erlebt und vom Kultgesang, den der Mitte-Atem durchströmt, in inneren Frieden und in den in die heilsame Stille bringenden Gesang umgesetzt. Das sind Erfahrungen die mir immer wieder bestätigt werden. Manchmal ergeben sich aus der eigenen Tiefe ent-sprechende Gebärden, manchmal gebe ich sie auch vor.

Der kultische Gesang

ist eine wunderbare Einstimmung die anschließend in die Stille führt. Sie wird physisch und metaphysisch erfahrbar, wir kommen uns Selbst sehr nah.

Unsere LeibKörper-Innenräume und der uns umgebende Außenraum geben antwortenden Widerhall. Alle diese Erfahrungen geben enormen Auftrieb weil die objektive Wirksamkeit unserer eigenen Wandlungskräfte konkret erfahren werden können.

  • Der erste Schritt ins kultische Singen führt in die Vokalraumatmung. Sie klärt und kräftigt die Stimme, vertieft und reguliert die Atmung. Auch die Stimmbänder werden gekräftigt, die Zwerchfellmuskulatur wird elastisch. Sie vor allem stärkt und intensiviert die Atmung und die Gestaltungskraft der Stimme. Der ruhige, ein wenig verlangsamte und tief in den Beckenboden einströmende Einatem hat eine beruhigende, meditative Wirkung. Das festigt und kräftigt das Gemüt. Je nach Intensivität mit der die Vokalraumatmung geübt wird, ermöglicht sie eine Transzendierung vom Ich zum Selbst hin.

Noch sollten die Vokale nicht moduliert, auch nicht auf verschiedenen Tonhöhen gesungen werden. Stattdessen konzentrieren wir uns auf die Vokalräume. Sie sollten unbedingt von innen her räumlich erlebt werden. Sodann erspüren wir wie es in ihnen atmet. Die Tonhöhen ergeben sich ganz von selbst, je nachdem aus welchem Vokalraum wir den Vokal tönen. Die Vokalraumatmung beruht auf den uralten Erkenntnissen, dass die Schwingungen der Vokale mit den Schwingungen ihrer Innenräume (Resonatoren), mit den verschiedenen LeibKörper-Bereichen und Organen korrespondieren. Jeder Vokal hat seine eigene Mundgebärde. Sie muss beachtet werden. Das Lehrbüchlein Die Kunst des Sprechens von J. Hey gibt über sie genaue Auskunft. Wichtig für das Gelingen ist, dass der Einatem langsam und ruhig, langsam und ruhig und ganz vom fleischgewordenen Selbst, das ist für mich das Zwerchfell, zurückkommen darf.

Meine Übungsempfehlung geht von unten nach oben:

U = unterer Bauch- und Beckenraum, Kreuzbeinbereich, Unterleibs- und Geschlechtsorgane

O = mittlerer und oberer Bauchraum, Bauchorgane, Sonnengeflecht, mittlerer Bereich der Wirbelsäule

A = Brustraum, Brustwirbelsäule, Organe im Brustbereich, das seelisch-geistige Herz in der Brustmitte

E = Hals- und Schlundraum, Kehlkopf und Schilddrüse, Halswirbelsäule

I = Stirnraum, das dritte Auge, Kopf und Gehirn

M = Scheitel Chakra

„M“ am Ende eines Vokalblocks ist kein Vokal sondern ein Klinger. Es ist mit entspannten Lippen zu summen. Der Klang des M und seine Vibration entstehen im Raum unter dem oberen Schädeldach. Wir stellen uns dabei vor: das Summen strömt durch das Schädeldach hinaus nach oben.

Soviel für heute.
Ich wünsche allen Lesern meines Blogs gutes Gelingen.
Wolfgang Keuter.
Düsseldorf. 20. 8. 2017

2 Gedanken zu “Das kultische Singen

  1. Danke lieber Wolfgang für diesen besonderen Vortrag.Er hat nicht nur Erinnerungen geweckt an Einzel-Coachings, die insbesondere der Stimme, dem Atem und dem Zwerchfell galten, nein, er hat zum Tun angeregt, aufgefordert. So habe ich mich seit einigen Wochen wieder der täglichen Übung – Stimmübungen mit den Vokalen – verpflichtet. Die Übungsanleitung ist dabei sehr hilfreich. Der Übungs-Zyklus, durchgeführt als Ritual im Sinne des Slow-Acting zeigt inzwischen Wirkung in der Befindlichkeit und in der Atemführung. „Das Zwerchfell hüpft wieder“, wie du so gerne sagst.
    Es braucht nicht das Kloster, um das tägliche Ritual durchzuführen, es braucht
    die reine Absicht, es zu tun, Raum dafür ist immer vorhanden.
    Renate K.
    12.09.2017

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    • Liebe Renate, für deine Antwort danke ich dir.
      Ich erinnere mich an Einzelcoachings mit dir, die als Schwerpunkt Atem- und Stimmbildung hatten, bei denen sich ganz viel Transparenz für die Tanszendenz bei dir entfaltet hat. Darum freue ich mich sehr darüber, das du diesen Übungen treu geblieben bist. Bald sende ich dir die versprochene, von mir besungene und mit kleinen Anweisungen versehene, CD. Hab bitte noch ein wenig Geduld. Weiterhin gutes Üben, liebe Renate und weiterhin viel gute schöpferische Kraft. Mit herzlichem Gruß. Wolfgang.

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