Geheimnis des ritualisierten Theaterspielens

Slow Acting: Einführung in das ritualisierte Theaterspielen

Heute, Ostermontag 2017, möchte ich weitergeben was an Aufzeichnungen aus dem letzten Workshop, von mir, festgehalten wurde.

Foto: Klaus Knaup

Japanisches Nô-Theater

Das ritualisierte Theaterspielen ist Teil der von mir entwickelten Methode Slow Acting. Ich halte es für ein Studium von besonderer Art und WeiseEs führt in die Selbst-Erfahrung und ins künstlerisch-initiatische Handwerk. Es ist als Zen in der Kunst des Schauspielens, westliches Zen! Das ritualiserte Theaterspielen entfaltet seine Kunst im Spannungsfeld von Eindruck und Ausdruck, Ritual und Leidenschaft. Es integriert diese Gegensätze. In manchen Szenen wird jede Bewegung, jeder Handgriff, jede Begegnung ritualisiert. Die Handlungen sind sparsam, stilisiert, wesentlich. Die eigentliche Handlung ist die Entfaltung des Charakters und des seelischen Zustandes des Spielers.

Im Mittelpunkt steht die ritualisierte Zug um Zug-Begegnung mit den Spielpartnern, die Gestaltung einer szenischen Improvisation und die Begegnung mit der Welt des Spirituellen und Unsichtbaren. Das Geheimnis des ritualisierten Theaterspielens öffnet sich in der Langsamkeit bis hin zur Zeitlupe, durch spezielle Atem- und Stimmübungen, durch zigfache Wiederholung  eines Impulses, einer Gebärde, eines Tones, in der Wiederholung ein und derselben Bühnenwege, in immer gleichen Schrittfolgen …

Das Wesen der Übungen im ritualisierten Theaterspielen ist einfach und wiederholbar. Es soll in Fleisch und Blut übergehen und physikalisiert werden. Die sich durch Wiederholung automatisierenden Wiederholungen aktivieren tief liegende Impulse und Ausdruckskräfte. Auf diese Weise werden der LeibKörper,  Atem und Stimme, und die seelischgeistigen Möglichkeiten zu einem künstlerischen Instrument sehr erweiterter Ich- und Selbsterfahrung. Durch die Ritualisierungen von Ausdruck und Darstellung, Handlungen und Interaktionen erreichen wir eine Präsenz welche die Sphäre des Alltags transzendiert. Diese Präsenz ist von großer Schönheit. Und die Bühne wird endlich wieder zu einem uns verwandelnden  Kultraum. Wir geben ihr und uns zurück was, an Geheimnis und Mystik, im Alltag so oft verloren geht.

Die Rituale unserer Bühnen- und Lebenskunst erschaffen das trainierte Unbewusste (D. T. Suzuki).  Auf diesem Weg entwichtigt sich das so genannte Welt-Ich.  Es wird sich bald nicht mehr bewertend und störend einmischen. Auf einmal erfahren wir, das durch Ritualisierung die  Verfremdung bewirkt  wird die unsere wahre Authentizität hervorbringt.  Das ist die Verfremdung vom Privatpersönlichen. Staunend erleben wir innere Erweiterung und, dass wir nun aus anderem Raum atmen, sprechen, gestalten, uns begegnen und gebärden, das meint ritualisiertes Theterspielen. Auf seinem Höhepunkt kann das Vollkommene im Unvollkommenen erscheinen. Denn:

Zum Raum wird hier die Zeit

Tatsächlich erleben wir Raumschöpfung im ritualisierten Theaterspielen. Im Innen und im Außen. Aus ihr erwächst das intuitive, höhere Leib-Körper-Bewusstsein.  Ritualisiertes Theaterspielen erschafft in uns das wunderbare Wach-Sein  und Selbst-Sein, von Augenblick zu Augenblick. Es führt aus der Beengtheit rationaler Fixierungen heraus und in andere Erlebnis-Räume hinein. Zu guter Letzt:

Unser Tun und Lassen, zunächst auf der Probebühne,  kann zum Modell werden für eine individuelle, schöpferische Lebensgestaltung, für das private und für das berufliche Leben.

 

 

 

Nun grüße ich mit meinen besten Wünschen. Lasst das mystische Fest der Auferstehung von Ostern, und seine wundersamen Bilder, noch in euch nachklingen. Sie sind gut für das Gemüt. Im Übrigen bin ich davon überzeugt:

Der Mensch der Zukunft wird ein mystischer Mensch sein. Oder er wird nicht mehr sein!

Am 23. April geb ich wieder eine Einführung in das ritualisierte TheaterspielenIn der Zeit von 10.30 – 14.30 im Lacomblet – Pavillon.

Also dann, bis bald

Wolfgang Keuter

 

3 Gedanken zu “Geheimnis des ritualisierten Theaterspielens

  1. Lieber Wolfgang, Deine Beschreibung weckt und stärkt den Impuls, den Kult(ur)Raum Bühne zu betreten. Auf das, dass Unbewusste zu Tage kommt.
    Es fühlt sich so an, als wenn mit dem Unbewussten eine Menge Wut Schmerz Kraft und (Gestaltungs)Wille bei mir zum Vorschein kommen könnten. Das hat im realen Leben etwas Bedrohendes (oder scheint halt vielmehr so), auf der Bühne aber seinen Platz. Das macht deine Arbeit daran nicht nur einzigartig, sondern ich glaube auch unglaublich wertvoll! Es wird bald Zeit dass ich zu Euch komme!
    Wir hören uns – Lennard

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    • Hallo Lennard, ja komm mal bald dazu. Du weißt, das die Selbsterfahrung bei uns kein Selbstzweck ist. Zur Selbsterfahrung kommt unbedingt die ritualisierte und künstlerische Gestaltung. Es geht ja gerade um die Integration von Leidenschaft und Disziplin. Und das Künstlerische, mit professionellem Anspruch, ist letztlich entscheidend für die personale Entwicklung. Im Übrigen halte ich dich ja für einen Künstler. Bis bald. Wolfgang.

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    • O.K.,lieber Lennard, komm bald einmal dazu. Ich freue mich darauf dich auf unserer wohlmeinenden und Entfaltungsraum gebenden Probebühne zu erleben. Du bist willkommen.Gutes dir. Wolfgang.

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