Immer wieder die gerade Linie – eine meditative Zeichenübung

Erinnerung an die Zeichenwerkstatt vom 4. März 2017 von Barbara Butscher

Die Hände mit den Zeichenstiften liegen nahe beieinander. Sie zeichnen jede eine horizontale Linie, sie treffen sich wieder und zeichnen, so nahe wie irgend möglich unter der ersten, die zweite gerade Linie. Und so weiter – allmählich ergibt sich ein atemrhythmisches Schwingen dieser immer gleichen Zeichenbewegung, die mit geöffneten Augen vollzogen wird. Damit begann am letzten Samstag die Zeichenwerkstatt.

Erstaunlich dann, die Zeichnungen von uns vier TeilnehmerInnen nebeneinander zu betrachten. Wieviel Individualität in der vermeintlichen Einförmigkeit sichtbar wird, wie unterschiedlich die „Scheitel“ in der Mitte verlaufen, wie der vom Atem unwillentlich auf die Stifte übertragene Druck eine Landschaft aus jeweils ganz eigenen Lichtverhältnissen auf das Blatt projiziert.

Wieder treffen sich die Hände mit den Stiften, ziehen aber dann ihre geraden Linien in die Richtungen, die ihnen „einfallen“. Gemeinsam ist den Zeichnungen aller Teilnehmenden die explosive Energie der „ausstrahlenden“ Linien.

Und die wird noch einmal konzentriert in der von außen nach innen verlaufenden Spirale, von deren Mitte aus dann die Gerade, verbunden mit einem Laut, dem naheliegenden „PA“, hinausschießt. Da kann es in vielen Facetten um das „Herumeiern vor einer Entscheidung“ gehen, so Br. als Teilnehmerin. Die hinausschießenden Striche können dann auch etwas von der Eigenart des Nach-Außen-Gehens sichtbar machen.

Auch wenn ich jetzt wesentliche Etappen der Zeichenwerkstatt vom 4. März überspringe – Wolfgangs Worte vom „Flüstern und Wispern unseres Unbewussten“, das wir aus unseren Zeichnungen empfangen können, hat sich mir eingeprägt.

Seit dem letzten Samstag wiederhole ich die erste Übung mit den horizontalen Geraden fast täglich. Sie braucht wenig Zeit und versetzt mich doch nahe an eine Verfassung der Zeitlosigkeit, sie lässt mich still werden, und ich kann gesammelter, konzentrierter als sonst auf das zugehen, was nun ansteht. Und: auch meine geraden Linien zeigen an jedem neuen Tag eine andere Landschaft, spiegeln mich als die, die ich an diesem Tag, in diesem Augenblick bin. …

 

Weitere Informationen zu unserer Zeichenwerkstatt finden Sie mit diesem Link

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